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Unter dem Eis

Sa. 03.03.1990 19.25h

Es ist Nacht auf dem Grund des Sees
von irgendwo scheint trübes Licht
das alles taucht in mattes Grün
das sich an schwarzen Schatten bricht.
Da ist ein Wald auf dem Grund des Sees
aus wilden Ranken, Algen und Tang.
Ein Dickicht ist es, ein Dornengestrüpp
das alles in die Knie zwang.

Aufgeweichte Stämme
die sich langsam, wie im Schlafe wiegen
dürre, halbverfaulte Äste
die sich unter Lasten biegen.
Ich höre Seufzer wehen
heiseres Klagen
wie eine fremde Sprache
doch versteh ich, was sie sagen.
Hier bist du zu haus
jetzt bezahlst du den Preis.
Es gibt kein Erwachen

unter dem Eis
wo die Schatten lauern
unter dem Eis
wo die Zeit zerfließt
unter dem Eis
im schwarzen Wasser
unter dem Eis
wo mein Hass gefriert.

Ich bin nicht allein auf dem Grund des Sees
das Harz gerinnt wie schwarzes Blut
zu Gesichtern auf den Stämmen
verzerrt in Angst und Wut.

Es ist ein Wald der atmet und spricht
der seine Äste reckt wie Arme
hin zum fahlen Licht.
Bei Gott, ich verfluche dieses trügerische Licht
auf die schwarze Rinde malt es sein Gesicht
das Gesicht meines Bruders
ich seh es und weiß
er ist hier bei mir

unter dem Eis
wo die Schatten lauern
unter dem Eis
wo die zeit zerfließt
unter dem Eis
im schwarzen Wasser
unter dem Eis
wo mein Hass gefriert.

Schreist du?
Tobst du?
Weinst du
Tränen aus Eis?
Spürst du
fühlst du
Kälte
unter dem Eis?

Ich halte es nicht aus
meinen Bruder so zu sehen.
Ich kann nicht die Augen schließen
nicht den Kopf zur Seite drehen.
Mein Blick auf sein Leiden
so hoch ist der Preis
für immer gefangen
für immer hier

unter dem Eis
wo die Schatten lauern
unter dem Eis
wo die Zeit zerfließt
unter dem Eis
ich hör sie rufen
unter dem Eis
wo die Sünder büßen.

Doch das Bild verblasst
Wasser füllt meine Lungen.
Der Traum erstarrt
ich bin allein
unter dem Eis.



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